Herzstolpern und Herzrasen: Wann gefährlich?

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Herzstolpern und Herzrasen: Wann harmlos, wann behandlungsbedürftig?

Herzstolpern und Herzrasen gehören zu den häufigen Beschwerden in der kardiologischen Praxis. Patienten beschreiben ihre Symptome oft mit Sätzen wie „Mein Herz setzt aus“, „Mein Herz stolpert ständig“ oder „Manchmal rast mein Herz plötzlich“.

Doch Herzstolpern ist zunächst ein Symptom und keine Diagnose. Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie stark die Beschwerden empfunden werden, sondern welcher Herzrhythmus tatsächlich dahintersteckt.

Moderne Rhythmusdiagnostik kann heute deutlich genauer feststellen, ob es sich beispielsweise um einzelne Extrasystolen, häufige ventrikuläre Extrasystolen (PVCs), Tachykardien oder eine andere Herzrhythmusstörung handelt.

1 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Herzstolpern und Herzrasen: Was steckt dahinter?

Herzstolpern kann sich sehr unterschiedlich anfühlen. Manche Menschen nehmen einen einzelnen kräftigen Herzschlag wahr, andere empfinden ein kurzes „Aussetzen“ oder ein plötzliches Herzrasen.

Dabei gilt:

Nicht jedes Herzstolpern bedeutet eine gefährliche Herzrhythmusstörung.

Gleichzeitig sollte wiederkehrendes oder stark ausgeprägtes Herzstolpern nicht vorschnell als „Stress“ oder „harmlos“ eingeordnet werden.

Die entscheidende erste Frage lautet:

Welcher Rhythmus steckt tatsächlich hinter den Beschwerden?

Der erste Schritt: Den Herzrhythmus dokumentieren

Bei intermittierendem Herzstolpern reicht ein zehn Sekunden langes Ruhe-EKG häufig nicht aus.

Ein Patient kann beispielsweise jeden Abend über mehrere Minuten Herzrasen oder Herzstolpern haben, während das EKG in der Arztpraxis vollkommen normal ist.

Deshalb ist die sogenannte Symptom-Rhythmus-Korrelation besonders wichtig. Idealerweise wird dokumentiert, welcher Herzrhythmus genau in dem Moment vorliegt, in dem die Beschwerden auftreten.

Je nach Häufigkeit der Beschwerden kommen unterschiedliche Verfahren infrage:

  • 12-Kanal-Ruhe-EKG
  • 24-Stunden-EKG
  • 48- oder 72-Stunden-EKG
  • Langzeit-EKG über mehrere Tage
  • Event-Recorder
  • implantierbarer Loop-Recorder bei ausgewählten Patienten
  • Smartwatch oder mobile EKG-Systeme als ergänzende Dokumentation

Grundsätzlich gilt: Je seltener die Beschwerden auftreten, desto länger kann eine Rhythmusüberwachung sinnvoll sein.

2 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Was kann eine Smartwatch bei Herzstolpern leisten?

Smartwatches und mobile EKG-Systeme haben die Möglichkeiten der Rhythmusdokumentation erweitert.

Wenn ein Patient früher beispielsweise sagte:

„Gestern Abend hatte ich zehn Minuten Herzrasen.“

kann heute unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich eine EKG-Aufzeichnung dieser Episode vorliegen.

Das kann für die weitere Diagnostik sehr hilfreich sein.

Eine Smartwatch kann unter anderem Hinweise auf folgende Veränderungen liefern:

  • Vorhofflimmern
  • regelmäßige Tachykardien
  • Bradykardien
  • einzelne Extrasystolen

Allerdings ersetzt eine Smartwatch kein ärztliches 12-Kanal-EKG. Viele Geräte erfassen nur eine oder wenige Ableitungen. Dadurch lässt sich zwar häufig erkennen, dass eine Rhythmusveränderung stattgefunden hat, die genaue Herkunft einer Arrhythmie kann jedoch nicht immer sicher bestimmt werden.

Auch automatische Algorithmen können beispielsweise Extrasystolen falsch interpretieren.

Deshalb ist es sinnvoll, wenn möglich die originale EKG-Kurve und nicht ausschließlich die automatische Diagnosemeldung der Smartwatch zu beurteilen.

Warum das 12-Kanal-EKG weiterhin wichtig ist

Das klassische 12-Kanal-EKG bleibt ein zentraler Bestandteil der kardiologischen Rhythmusdiagnostik.

Werden beispielsweise ventrikuläre Extrasystolen, sogenannte PVCs (Premature Ventricular Contractions), dokumentiert, interessiert nicht nur deren Anzahl.

Auch die Morphologie der Extrasystolen ist wichtig.

Dabei wird unter anderem untersucht:

  • Wie sieht der QRS-Komplex der Extrasystole aus?
  • Sind die PVCs monomorph oder polymorph?
  • Wo könnte der Ursprung der Extrasystolen liegen?

Mögliche Ursprungsorte können beispielsweise sein:

  • rechtsventrikulärer Ausflusstrakt
  • linksventrikulärer Ausflusstrakt
  • Faszikelsystem
  • Papillarmuskel
  • Mitral- oder Trikuspidalannulus
  • epikardialer Ursprung

Die Morphologie kann wichtige Hinweise darauf geben, ob eine Extrasystolie wahrscheinlich idiopathisch ist oder ob eine strukturelle Herzerkrankung weiter abgeklärt werden sollte.

3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Die entscheidende Frage: Ist das Herz strukturell gesund?

Bei häufigen oder relevanten ventrikulären Extrasystolen lautet eine der wichtigsten Fragen:

Ist das Herz ansonsten strukturell gesund?

Hier kommt die Echokardiographie, also der Herzultraschall, ins Spiel.

Dabei können unter anderem beurteilt werden:

  • linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF)
  • regionale Wandbewegung
  • Größe des linken Ventrikels
  • rechter Ventrikel
  • Wanddicke
  • Herzklappen
  • Vorhofgröße
  • gegebenenfalls Global Longitudinal Strain (GLS)

Diese Untersuchung ist wichtig, weil die Bedeutung von Extrasystolen stark davon abhängt, ob eine strukturelle Herzerkrankung vorliegt.

Einzelne idiopathische Extrasystolen bei einem strukturell gesunden Herzen können häufig eine sehr gute Prognose haben.

Anders ist die Situation beispielsweise bei Extrasystolen im Zusammenhang mit:

  • zurückliegendem Herzinfarkt
  • Kardiomyopathie
  • Myokarditis
  • arrhythmogener Kardiomyopathie
  • Sarkoidose

Diese Situationen müssen differenzierter beurteilt werden.

4 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Wann ist ein kardiales MRT sinnvoll?

Wenn EKG und Echokardiographie die Ursache relevanter ventrikulärer Arrhythmien nicht ausreichend erklären können, kann ein kardiales MRT zusätzliche Informationen liefern.

Mit der Magnetresonanztomographie des Herzens lassen sich unter anderem Hinweise auf folgende Veränderungen suchen:

  • Myokardnarben
  • frühere Myokarditis
  • Fibrose
  • infiltrative Erkrankungen
  • arrhythmogene Kardiomyopathie

Besonders relevant kann ein kardiales MRT sein, wenn die Präsentation atypisch ist, die initiale Diagnostik unklar bleibt oder eine reduzierte LV-Funktion zusammen mit einer relevanten PVC-Last vorliegt.

PVC-Burden: Wie viele Extrasystolen sind es?

Bei einem Langzeit-EKG wird nicht nur festgestellt, dass PVCs auftreten.

Wir können auch berechnen, welchen Anteil sie an allen Herzschlägen ausmachen.

Dieser Wert wird als PVC-Burden beziehungsweise Extrasystolenlast bezeichnet.

Bei ungefähr 100.000 Herzschlägen pro Tag entsprechen beispielsweise:

  • 10.000 PVCs ≈ 10 % PVC-Burden
  • 20.000 PVCs ≈ 20 % PVC-Burden

Diese Zahl ist klinisch relevant, darf aber niemals isoliert betrachtet werden.

5 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

PVC-Burden unter 10 %

Bei einem strukturell gesunden Herzen und einer niedrigen Extrasystolenlast ist eine PVC-induzierte Kardiomyopathie wesentlich weniger wahrscheinlich.

Wenn kaum Beschwerden bestehen, kann zunächst eine Beobachtung infrage kommen.

Bei starken Beschwerden kann dagegen auch bei einer niedrigen PVC-Burden eine symptomorientierte Behandlung sinnvoll sein.

Denn:

Symptomstärke und PVC-Burden sind nicht dasselbe.

Ein Patient kann beispielsweise bei 2 % PVC-Burden sehr starke Beschwerden haben, während ein anderer Patient mit 15 % kaum etwas bemerkt.

PVC-Burden ab etwa 10 %

Ab einer PVC-Burden von ungefähr 10 % wird die Situation klinisch interessanter.

Insbesondere bei ungeklärter reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion sollte eine PVC-induzierte beziehungsweise PVC-assoziierte Kardiomyopathie berücksichtigt werden.

10 % bedeuten allerdings nicht automatisch, dass eine Herzrhythmusstörung gefährlich ist.

Vielmehr ist dies ein Anlass, genauer hinzuschauen.

Je nach Situation können beispielsweise Echokardiographie, Beurteilung der LV-Funktion, Strain, wiederholtes Langzeit-EKG oder ein kardiales MRT sinnvoll sein.

PVC-Burden von 15–20 %

Bei einer höheren PVC-Burden nimmt die klinische Bedeutung weiter zu.

Bei beispielsweise 15 %, 18 % oder 20 % sollte nicht einfach gesagt werden:

„Das sind nur Extrasystolen.“

Stattdessen sollten mehrere Faktoren gemeinsam beurteilt werden:

  • Ist die LV-Funktion normal?
  • Hat sich die Größe des linken Ventrikels verändert?
  • Bestehen relevante Beschwerden?
  • Sind die PVCs monomorph?
  • Gibt es NSVT?
  • Wie verhalten sich die PVCs unter Belastung?
  • Gibt es strukturelle Auffälligkeiten?

Eine durch PVCs verursachte Kardiomyopathie kann sich nach erfolgreicher Unterdrückung der Extrasystolen deutlich bessern.

PVC-Burden über 20 %

Bei asymptomatischen Patienten mit normaler Herzfunktion und sehr hoher PVC-Burden von mehr als etwa 20 % kann nach den im Ausgangstext beschriebenen ESC-Empfehlungen sogar eine Katheterablation erwogen werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass bei mehr als 20 % automatisch eine Ablation durchgeführt werden muss.

Die Entscheidung hängt vom gesamten klinischen Bild ab, da die PVC-Burden schwanken kann und ein prognostischer Vorteil einer prophylaktischen Ablation bei asymptomatischen Patienten nicht eindeutig belegt ist.

6 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Warum entwickelt nicht jeder Patient mit vielen PVCs eine Kardiomyopathie?

Die reine Anzahl der Extrasystolen erklärt das individuelle Risiko nicht vollständig.

Möglicherweise spielen weitere Faktoren eine Rolle, beispielsweise:

  • Ursprung der PVCs
  • QRS-Breite
  • epikardialer Ursprung
  • Interpolation
  • Dauer der bestehenden Extrasystolie
  • unterschiedliche Morphologien
  • Kopplungsintervall

Deshalb kann ein Patient mit 12 % PVC-Burden eine Kardiomyopathie entwickeln, während ein anderer Patient mit 22 % weiterhin eine normale LV-Funktion aufweist.

Die PVC-Burden ist deshalb ein wichtiger Risikomarker, aber kein alleiniger Grenzwert für die Therapieentscheidung.

Was zeigt das Belastungs-EKG?

Das Belastungs-EKG kann bei Herzstolpern und ventrikulären Extrasystolen wichtige zusätzliche Informationen liefern.

Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Extrasystolen zu zählen.

Die entscheidende Frage lautet:

Wie verhalten sich die PVCs unter körperlicher Belastung?

Mögliche Beobachtungen sind:

  • Die PVCs verschwinden bei Belastung.
  • Die PVCs nehmen unter Belastung deutlich zu.
  • Es entstehen Couplets, Triplets oder NSVT.

Eine deutliche Zunahme der PVCs unter Belastung sollte weiter abgeklärt werden.

Zusätzlich werden beim Belastungs-EKG unter anderem Herzfrequenz, Chronotropie, Blutdruckreaktion, mögliche Ischämiezeichen, Belastbarkeit und die Reproduzierbarkeit der Beschwerden beurteilt.

Belastungs-EKG oder Stress-Echokardiographie?

Die Begriffe werden im Alltag manchmal vermischt, diagnostisch sind sie jedoch nicht identisch.

Beim Belastungs-EKG wird während körperlicher Belastung kontinuierlich das elektrische Signal des Herzens aufgezeichnet.

Bei einer Stress-Echokardiographie wird zusätzlich untersucht, wie der Herzmuskel mechanisch auf die Belastung reagiert.

Eine Stress-Echokardiographie kann insbesondere interessant sein, wenn neben ventrikulären Extrasystolen beispielsweise der Verdacht auf:

  • koronare Herzkrankheit
  • belastungsinduzierte Ischämie
  • relevante strukturelle Herzerkrankung

besteht.

7 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Wann muss Herzstolpern behandelt werden?

Nicht jede Extrasystole benötigt eine Therapie.

Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus Symptomen, PVC-Burden, Herzfunktion, strukturellem Befund und Art der Rhythmusstörung.

Eine Behandlung kann insbesondere relevant werden bei:

  • ausgeprägten Beschwerden
  • sehr hoher PVC-Burden
  • reduzierter LV-Funktion
  • relevanten ventrikulären Tachykardien
  • struktureller Herzerkrankung

Dazu gehören beispielsweise Herzstolpern, Schlafstörungen, Leistungsminderung oder eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität.

Welche Medikamente können bei Extrasystolen eingesetzt werden?

Bei symptomatischen idiopathischen PVCs können abhängig von der individuellen Situation zunächst Medikamente infrage kommen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Betablocker
  • Verapamil
  • Diltiazem

Weitere Antiarrhythmika müssen wesentlich selektiver eingesetzt werden.

Insbesondere Klasse-IC-Antiarrhythmika wie Flecainid sollten nicht einfach jedem Patienten mit Extrasystolen verordnet werden.

Vor einer entsprechenden Behandlung müssen relevante strukturelle beziehungsweise ischämische Herzerkrankungen ausgeschlossen oder bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden.

Wann kommt eine Katheterablation infrage?

Die Katheterablation hat bei geeigneten Patienten heute einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung bestimmter ventrikulärer Extrasystolen.

Nach den im Ausgangstext beschriebenen aktuellen ESC-Empfehlungen ist die Ablation bei symptomatischen idiopathischen PVCs oder ventrikulären Tachykardien aus dem rechtsventrikulären Ausflusstrakt beziehungsweise den linken Faszikeln als First-Line-Therapie mit Klasse-I-Empfehlung eingeordnet.

Auch bei einer PVC-induzierten Kardiomyopathie wird die Katheterablation als Klasse-I-Therapie hervorgehoben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Patient mit Herzstolpern eine Ablation benötigt.

Die Entscheidung hängt von der Ursache, dem Ursprung der PVCs, den Beschwerden, der Herzfunktion und der individuellen Gesamtsituation ab.

Beispiel: 18 % PVC-Burden und reduzierte Ejektionsfraktion

Ein praktisches Beispiel macht die Entscheidungsfindung deutlich.

Ein Patient hat:

  • 18 % monomorphe PVCs
  • LVEF 42 %
  • keine relevante koronare Herzkrankheit
  • keine relevante Klappenerkrankung
  • keine andere überzeugende Ursache im kardialen MRT

In dieser Situation stellt sich eine zentrale Frage:

Ist die reduzierte Herzfunktion durch die häufigen Extrasystolen verursacht?

Wenn die PVCs erfolgreich unterdrückt beziehungsweise abladiert werden und sich die LVEF anschließend beispielsweise von 42 % auf 55 % verbessert, spricht dies deutlich für eine PVC-induzierte Kardiomyopathie.

Genau deshalb sollte bei einer solchen Konstellation nicht über Jahre ausschließlich beobachtet werden.

8 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Herzstolpern und die Angst vor dem plötzlichen Herztod

Für viele Patienten ist nicht nur das körperliche Gefühl belastend.

Besonders nachts kann Herzstolpern starke Angst auslösen.

Ein Patient liegt im Bett, spürt seinen Herzschlag, nimmt plötzlich eine Extrasystole wahr und anschließend eine kurze Pause.

Der nächste Herzschlag fühlt sich dann häufig besonders kräftig an.

Das kann zu dem Gedanken führen:

„Mein Herz ist stehen geblieben.“

Eine typische Extrasystole ist jedoch ein vorzeitiger Herzschlag. Danach kann eine kurze Pause entstehen. Durch die längere Füllungszeit kann der darauffolgende normale Herzschlag ein größeres Schlagvolumen haben und deshalb besonders kräftig wahrgenommen werden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass das Herz tatsächlich aufgehört hat zu schlagen.

Angst sollte trotzdem ernst genommen werden

Eine wichtige medizinische Grundregel lautet:

Angst sollte nicht vorschnell als rein psychisches Problem eingeordnet werden.

Bevor ein Patient beruhigt wird, sollte möglichst geklärt sein:

  • Welcher Rhythmus liegt vor?
  • Wie hoch ist die Extrasystolenlast?
  • Ist das Herz strukturell gesund?
  • Gibt es relevante Tachykardien?
  • Wie verhält sich der Rhythmus unter Belastung?

Erst wenn diese Fragen ausreichend beantwortet sind, kann eine medizinisch fundierte Einschätzung und Beruhigung erfolgen.

Warum können wiederholte Langzeit-EKGs sinnvoll sein?

Die PVC-Burden ist nicht zwangsläufig an jedem Tag identisch.

Sie kann teilweise deutlich schwanken.

Ein einzelnes 24-Stunden-EKG kann deshalb unter bestimmten Umständen nur eine Momentaufnahme darstellen.

Bei einer relevanten klinischen Fragestellung kann daher eine längere oder wiederholte Rhythmusüberwachung sinnvoll sein – beispielsweise:

  • vor einer Therapie
  • nach Beginn einer Therapie
  • nach einer Dosisänderung
  • nach einer Katheterablation
  • bei einer Veränderung der Beschwerden

Es geht also nicht nur darum, eine Behandlung zu beginnen.

Ebenso wichtig ist die Frage:

Hat die Therapie tatsächlich zu einer ausreichenden Reduktion der Rhythmusstörung geführt?

9 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Der moderne diagnostische Algorithmus bei Herzstolpern

Die moderne Abklärung von Herzstolpern und Herzrasen lässt sich vereinfacht in mehrere Schritte einteilen:

Herzstolpern / Herzrasen

↓

1. Rhythmus dokumentieren

12-Kanal-EKG + geeignetes Langzeitmonitoring

↓

2. Extrasystolen quantifizieren

PVC-Burden, Morphologie, Couplets, NSVT

↓

3. Herzstruktur beurteilen

Echokardiographie

↓

4. Bei Auffälligkeiten oder atypischer Präsentation

Kardiales MRT

↓

5. Belastungsverhalten untersuchen

Belastungs-EKG ± weiterführende Ischämiediagnostik

↓

6. Symptome und individuelles Risiko gemeinsam bewerten

Nicht nur die absolute Anzahl der PVCs betrachten

↓

7. Individuelle Therapieentscheidung

Beobachtung

oder

Medikamentöse Behandlung

oder

Katheterablation.

Was hat sich bei der Behandlung von PVCs verändert?

Die moderne Rhythmologie betrachtet ventrikuläre Extrasystolen heute differenzierter.

Früher wurden PVCs bei einem strukturell gesunden Herzen häufig primär als gutartige Begleiterscheinung betrachtet. Eine Ablation wurde häufig erst nach einem medikamentösen Therapieversuch erwogen.

Heute wissen wir wesentlich mehr über die mögliche PVC-induzierte Kardiomyopathie.

Dazu stehen moderne diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung:

  • längere Rhythmusüberwachung
  • moderne Echokardiographie
  • kardiales MRT
  • gezielte Belastungsdiagnostik
  • systematische Beurteilung der PVC-Burden

Gleichzeitig ist die Katheterablation bei geeigneten Patienten früher in den therapeutischen Algorithmus gerückt.

10 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Die wichtigste Botschaft bei Herzstolpern und Herzrasen

Herzstolpern bedeutet nicht automatisch Lebensgefahr.

Es sollte aber ebenso wenig pauschal mit „Das ist bestimmt nur Stress“ abgetan werden.

Für eine fundierte Beurteilung sind insbesondere drei Fragen entscheidend:

Welcher Rhythmus liegt vor?

Ist das Herz strukturell gesund?

Wie hoch ist die Arrhythmielast?

Wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich häufig gut zwischen einer benignen Extrasystolie, die vor allem erklärt und gegebenenfalls symptomatisch behandelt werden muss, und einer relevanten Rhythmusstörung unterscheiden, bei der eine gezielte Therapie bis hin zur Katheterablation sinnvoll sein kann.

Die moderne Rhythmologie betrachtet deshalb nicht nur ein einzelnes EKG. Sie verbindet Rhythmusdokumentation, Echokardiographie, kardiales MRT, Belastungsdiagnostik, Symptome und individuelles Risiko zu einer gemeinsamen medizinischen Entscheidung.

Häufige Fragen zu Herzstolpern und Herzrasen

Ist Herzstolpern immer gefährlich?

Nein. Herzstolpern ist zunächst ein Symptom und keine Diagnose. Einzelne idiopathische Extrasystolen können bei einem strukturell gesunden Herzen eine sehr gute Prognose haben. Entscheidend ist, welcher Rhythmus tatsächlich hinter den Beschwerden steckt.

Was bedeutet es, wenn sich das Herz wie ein Aussetzer anfühlt?

Häufig kann eine Extrasystole mit einer anschließenden kurzen Pause dafür verantwortlich sein. Der nächste Herzschlag kann durch die längere Füllungszeit besonders kräftig empfunden werden. Trotzdem sollte wiederkehrendes Herzstolpern bei entsprechender Symptomatik ärztlich abgeklärt werden.

11 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Kann ein normales EKG Herzrhythmusstörungen ausschließen?

Nein. Ein Ruhe-EKG dauert nur wenige Sekunden. Treten Herzstolpern oder Herzrasen nur gelegentlich auf, kann das EKG zwischen den Episoden völlig normal sein. In solchen Fällen kann ein Langzeit-EKG oder eine andere Form der Rhythmusüberwachung sinnvoll sein.

Was ist eine PVC-Burden?

Die PVC-Burden beschreibt den Anteil der ventrikulären Extrasystolen an allen Herzschlägen während der überwachten Zeit. Sie wird häufig anhand eines Langzeit-EKGs bestimmt.

Ab welcher PVC-Burden wird es gefährlich?

Eine bestimmte Prozentzahl bedeutet nicht automatisch „gefährlich“. Ab etwa 10 % sollte bei ungeklärter reduzierter LV-Funktion jedoch eine PVC-induzierte Kardiomyopathie berücksichtigt werden. Die PVC-Burden muss immer zusammen mit Herzfunktion, Morphologie, Symptomen und weiteren Befunden beurteilt werden.

Können viele Extrasystolen das Herz schwächen?

Eine hohe PVC-Last kann mit einer PVC-assoziierten beziehungsweise PVC-induzierten Kardiomyopathie verbunden sein. Eine solche Herzfunktionsstörung kann sich nach erfolgreicher Unterdrückung der Extrasystolen wieder deutlich verbessern.

Kann eine Smartwatch Herzrhythmusstörungen erkennen?

Eine Smartwatch kann bei geeigneten Geräten Hinweise auf bestimmte Rhythmusstörungen liefern und eine EKG-Aufzeichnung einer Episode ermöglichen. Sie ersetzt jedoch kein ärztliches 12-Kanal-EKG und kann nicht jede Arrhythmie sicher diagnostizieren.

Wann ist ein Langzeit-EKG sinnvoll?

Ein Langzeit-EKG ist besonders hilfreich, wenn Herzstolpern oder Herzrasen nicht während des kurzen Ruhe-EKGs auftreten. Je seltener die Beschwerden sind, desto länger kann eine Rhythmusüberwachung erforderlich sein.

Wann braucht man ein kardiales MRT?

Ein kardiales MRT kann sinnvoll werden, wenn EKG und Echokardiographie die Ursache einer relevanten ventrikulären Arrhythmie nicht ausreichend erklären oder eine strukturelle Erkrankung vermutet wird.

12 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Wann kommt eine Katheterablation bei Extrasystolen infrage?

Bei geeigneten Patienten kann eine Katheterablation insbesondere bei symptomatischen idiopathischen PVCs bestimmter Ursprünge sowie bei PVC-induzierter Kardiomyopathie eine wichtige beziehungsweise nach den im Ausgangstext beschriebenen ESC-Empfehlungen eine First-Line-Therapie sein.

Können Extrasystolen unter Belastung verschwinden?

Ja. Bei bestimmten idiopathischen Extrasystolen können PVCs unter zunehmender Belastung abnehmen oder verschwinden. Eine deutliche Zunahme der PVCs unter Belastung oder das Auftreten von Couplets, Triplets oder NSVT sollte dagegen weiter abgeklärt werden.

Warum spüre ich mein Herzstolpern besonders nachts?

In Ruhe und insbesondere nachts nehmen viele Menschen ihren eigenen Herzschlag stärker wahr. Eine Extrasystole mit anschließender Pause und einem kräftigeren nächsten Herzschlag kann dadurch besonders auffällig werden. Bei starker oder wiederkehrender Symptomatik sollte dennoch zunächst der tatsächliche Rhythmus dokumentiert werden.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Diagnose. Bei neu auftretendem, anhaltendem oder starkem Herzrasen, Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht oder anderen akuten Beschwerden sollte unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

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