Die Duplexsonographie der Halsschlagadern, auch Karotis-Duplex genannt, gehört zu den wichtigsten nicht-invasiven Untersuchungen zur Beurteilung der hirnversorgenden Arterien.
Sie kombiniert zwei diagnostische Verfahren: Mit dem B-Bild-Ultraschall lassen sich die Gefäßwand und arteriosklerotische Veränderungen wie Plaques darstellen. Gleichzeitig untersucht der Doppler-Ultraschall, wie das Blut durch die Arterie fließt und mit welcher Geschwindigkeit es sich bewegt.
Damit beantwortet die Untersuchung nicht nur die Frage, ob sich an der Halsschlagader eine arteriosklerotische Veränderung befindet. Entscheidend ist vielmehr, ob eine relevante Einengung vorliegt, wie ausgeprägt sie ist und welche Bedeutung der Befund für das gesamte Gefäßrisiko des Patienten hat.
Die aktuellen ESC-Leitlinien von 2024 ordnen die Karotiserkrankung in den größeren Zusammenhang der peripheren und aortalen Gefäßerkrankungen ein.

Was bedeutet Duplexsonographie der Halsschlagadern?
Der Begriff „Duplex“ beschreibt die Kombination aus morphologischer Bildgebung und Doppler-Messung.
Vereinfacht gesagt:
| Untersuchung | Was wird beurteilt? |
|---|---|
| B-Bild | Gefäßwand, Gefäßdurchmesser und Plaques |
| Farbdoppler | Richtung und Verteilung des Blutflusses |
| Spektraldoppler | Blutflussgeschwindigkeit und Strömungsmuster |
| Kombination | Morphologie und hämodynamische Bedeutung einer Gefäßveränderung |
Gerade diese Kombination macht die Untersuchung so wertvoll. Eine sichtbare Plaque allein sagt beispielsweise noch nicht, ob das Gefäß dadurch relevant verengt ist.
Die Beurteilung einer Karotisstenose sollte deshalb nicht auf einem einzelnen Bild oder einem einzelnen Messwert beruhen. Der etablierte Ultraschallansatz kombiniert B-Bild, Farbdoppler und Spektraldoppler.

Welche Halsschlagadern werden untersucht?
Im Rahmen der Untersuchung werden insbesondere die Arteria carotis communis (ACC) und ihre Aufzweigung beurteilt.
Die Arteria carotis communis teilt sich in:
- Arteria carotis interna (ACI/ICA)
- Arteria carotis externa (ACE/ECA)
Für die Blutversorgung des Gehirns ist vor allem die Arteria carotis interna von Bedeutung.
Ein besonders wichtiger Bereich ist die Karotisbifurkation, also die Stelle, an der sich die gemeinsame Halsschlagader aufteilt. Hier können sich arteriosklerotische Plaques entwickeln.
Je nach Untersuchung werden außerdem die Vertebralarterien und die Subclaviaarterien mitbeurteilt. Die ESC 2024 empfiehlt bei der Karotisdiagnostik auch die Untersuchung der Vertebral- und Subclaviaarterien.

Was ist eine arteriosklerotische Plaque?
Eine Plaque ist eine strukturelle Veränderung innerhalb der Gefäßwand.
Arteriosklerose bedeutet dabei nicht einfach „Kalk im Gefäß“.
An der Entstehung arteriosklerotischer Plaques können unter anderem beteiligt sein:
- Lipide
- Entzündungsprozesse
- Bindegewebe
- Veränderungen der Gefäßwand
- Kalzifikationen
Im Ultraschall können Plaques unterschiedliche morphologische Eigenschaften zeigen.
Für die klinische Beurteilung ist jedoch eine entscheidende Unterscheidung notwendig:
Eine sichtbare Plaque ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer hämodynamisch relevanten Karotisstenose.
Eine Plaque kann vorhanden sein, ohne den Blutfluss wesentlich zu behindern.

Plaque oder Stenose: Wo liegt der Unterschied?
Diese Unterscheidung ist für Patienten besonders wichtig.
| Befund | Bedeutung |
|---|---|
| Keine erkennbare Plaque | Kein entsprechender struktureller Befund im untersuchten Gefäßabschnitt |
| Plaque ohne relevante Einengung | Arteriosklerotische Gefäßveränderung, aber keine relevante hämodynamische Behinderung |
| Moderate Stenose | Deutlichere Einengung mit entsprechenden morphologischen und Dopplerbefunden |
| Hochgradige Stenose | Ausgeprägte Verengung mit deutlich veränderten Strömungsverhältnissen |
| Nahezu Verschluss | Stark reduziertes Restlumen |
| Verschluss | Kein nachweisbarer Blutfluss im verschlossenen Gefäßabschnitt |
Die genaue Einstufung einer Stenose erfolgt anhand standardisierter Kriterien und sollte die morphologischen Befunde mit den Dopplerparametern zusammenführen.
Wie erkennt man eine Karotisstenose im Ultraschall?
Wenn sich ein Gefäß verengt, verändert sich die Strömung des Blutes.
An einer relevanten Engstelle kann die Blutflussgeschwindigkeit deutlich zunehmen. Deshalb spielt die Doppler-Messung bei der Beurteilung einer Karotisstenose eine zentrale Rolle.
Besonders wichtig ist die Peak Systolic Velocity (PSV), also die maximale systolische Blutflussgeschwindigkeit in der Arteria carotis interna.
Zusätzlich können weitere Parameter berücksichtigt werden:
- End-Diastolic Velocity (EDV)
- Verhältnis der PSV der A. carotis interna zur A. carotis communis
- sichtbare Plaque
- Ausmaß der Lumeneinengung
- Strömungsmuster im Farbdoppler
- technische Qualität der Untersuchung
Die ESC-Leitlinie 2024 beschreibt die Duplexsonographie als zuverlässige Methode zur Beurteilung der extrakraniellen Karotis, wenn sie von entsprechend erfahrenen Untersuchern durchgeführt wird.

Welche Dopplerwerte sind bei einer Karotisstenose wichtig?
Die klassische Empfehlung der Society of Radiologists in Ultrasound (SRU) verwendet unter anderem die PSV der A. carotis interna sowie Plaquenachweis und weitere Dopplerparameter zur Einteilung.
Nach diesen Kriterien gilt vereinfacht:
| Geschätzter Stenosegrad | Typische SRU-Kriterien |
|---|---|
| Keine Stenose | ICA-PSV <125 cm/s und keine Plaque |
| <50 % | ICA-PSV <125 cm/s bei sichtbarer Plaque/Intimaverdickung |
| 50–69 % | ICA-PSV etwa 125–230 cm/s und sichtbare Plaque |
| ≥70 % bis nahe Verschluss | ICA-PSV >230 cm/s plus sichtbare Plaque und Lumeneinengung |
| Nahezu Verschluss | Stark eingeengtes Restlumen, charakteristische Strömungsveränderungen |
| Verschluss | Kein nachweisbares Lumen bzw. kein nachweisbarer Blutfluss |
Diese Werte sind keine isolierte Rechenformel. Die SRU empfiehlt ausdrücklich, Morphologie und Dopplerbefunde gemeinsam zu beurteilen. Auch die ESC 2024 weist darauf hin, dass die verwendeten Geschwindigkeitskriterien je nach Referenzsystem variieren können.

Warum reicht die Geschwindigkeit allein nicht aus?
Ein häufiger Fehler wäre, eine Karotisstenose ausschließlich anhand eines einzelnen Zahlenwertes zu beurteilen.
Die gemessene Geschwindigkeit kann beispielsweise durch technische Faktoren, anatomische Besonderheiten oder komplexe Gefäßverhältnisse beeinflusst werden.
Deshalb sollte der Untersucher immer mehrere Informationen miteinander vergleichen:
Plaque + Gefäßmorphologie + Farbdoppler + Spektraldoppler + Geschwindigkeitswerte + klinischer Kontext
Die SRU-Konsensus-Empfehlung betont genau diese Kombination.
Was bedeutet eine Karotisstenose für das Schlaganfallrisiko?
Eine relevante Karotisstenose kann mit einem erhöhten Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse verbunden sein.
Dabei ist jedoch eine wichtige Unterscheidung notwendig:
Symptomatische Karotisstenose
Von besonderer Bedeutung ist, ob der Patient bereits neurologische Symptome hatte, die zur betroffenen Karotis passen könnten – beispielsweise eine transitorische ischämische Attacke (TIA) oder einen ischämischen Schlaganfall.
Asymptomatische Karotisstenose
Bei einer asymptomatischen Stenose liegen keine entsprechenden neurologischen Symptome vor.
Die aktuelle ESC-Leitlinie unterscheidet deshalb ausdrücklich zwischen asymptomatischer und symptomatischer Karotisstenose. Die weitere Beurteilung hängt unter anderem vom Stenosegrad, klinischen Merkmalen und dem individuellen Gesamtrisiko ab.

Eine Plaque bedeutet nicht automatisch Schlaganfallgefahr
Dieser Punkt ist für Patienten besonders wichtig.
Der Nachweis einer arteriosklerotischen Plaque bedeutet zunächst:
Es gibt eine arterielle Gefäßveränderung.
Daraus folgt aber nicht automatisch:
- dass ein Schlaganfall unmittelbar bevorsteht,
- dass eine Operation erforderlich ist,
- dass die Karotis hochgradig verengt ist,
- oder dass eine invasive Behandlung notwendig wird.
Vielmehr muss der Befund in den gesamten klinischen Zusammenhang eingeordnet werden.
Dazu gehören unter anderem:
| Frage | Warum ist sie wichtig? |
|---|---|
| Wie stark ist die Stenose? | Bestimmt die anatomische und hämodynamische Bedeutung |
| Ist der Patient symptomatisch? | Beeinflusst die weitere Risikobewertung wesentlich |
| Wie sehen Plaque und Gefäßwand aus? | Liefert zusätzliche morphologische Informationen |
| Bestehen weitere Gefäßerkrankungen? | Hinweis auf eine systemische arterielle Erkrankung |
| Wie hoch ist das kardiovaskuläre Risiko? | Bestimmt die Präventionsstrategie |
| Welche Risikofaktoren sind vorhanden? | Relevant für Progression und Prävention |

Sollte jeder Mensch seine Halsschlagadern untersuchen lassen?
Nein.
Eine der wichtigsten Aussagen moderner Gefäßmedizin ist, dass eine Duplexsonographie der Karotiden nicht einfach als allgemeines Routine-Screening für jeden gesunden, asymptomatischen Erwachsenen eingesetzt werden sollte.
Die ESC-Leitlinie 2024 weist darauf hin, dass eine weit verbreitete Untersuchung asymptomatischer Menschen aufgrund der niedrigen Prävalenz einer hochgradigen Karotisstenose keinen nachgewiesenen Nutzen zur Reduktion des Schlaganfallrisikos bietet und zu unnötiger Belastung oder invasiven Folgeuntersuchungen führen kann.
Auch die USPSTF empfiehlt für die allgemeine asymptomatische erwachsene Bevölkerung kein Screening auf eine Karotisstenose. Als Gründe werden unter anderem falsch-positive Befunde und mögliche Schäden durch nachfolgende Untersuchungen oder Interventionen genannt.
Das bedeutet nicht, dass eine Karotis-Duplexsonographie grundsätzlich unnötig ist.
Es bedeutet vielmehr:
Die Untersuchung sollte eine medizinische Fragestellung beantworten und nicht lediglich als wahlloses Gefäß-Screening eingesetzt werden.
Wann kann eine Duplexsonographie der Karotiden sinnvoll sein?
Die Entscheidung hängt vom klinischen Kontext ab.
Besonders relevant kann die Untersuchung beispielsweise bei Patienten sein, bei denen aufgrund der Anamnese, neurologischer Ereignisse oder bekannter Gefäßerkrankungen eine Karotiserkrankung vermutet wird.
Auch im Rahmen bestimmter präoperativer Situationen oder bei bekannter systemischer Atherosklerose kann eine gezielte Untersuchung sinnvoll sein.
Die ESC 2024 beschreibt insbesondere die Unterscheidung zwischen asymptomatischer und symptomatischer Karotiserkrankung und sieht eine gezielte statt flächendeckende Diagnostik vor.

Welche Risikofaktoren sind für die Karotis wichtig?
Eine Karotiserkrankung entsteht nicht isoliert vom restlichen Gefäßsystem.
Wichtige kardiovaskuläre Risikofaktoren sind unter anderem:
- Bluthochdruck
- erhöhtes LDL-Cholesterin
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- höheres Lebensalter
- bekannte koronare Herzkrankheit
- periphere arterielle Erkrankung
- eingeschränkte Nierenfunktion
Deshalb sollte ein auffälliger Karotisbefund nicht nur als lokales Problem des Halses betrachtet werden.
Die 2024 ESC-Leitlinie betont die Bedeutung einer umfassenden Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren bei Patienten mit atherosklerotischen Gefäßerkrankungen.
Was bedeutet ein auffälliger Karotisbefund für das gesamte Gefäßsystem?
Arteriosklerose ist eine systemische Erkrankung.
Wenn eine Plaque in der Karotis nachgewiesen wird, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass auch andere Gefäßregionen betroffen sein können.
Mögliche weitere Manifestationen sind beispielsweise:
- koronare Arterien
- Beinarterien
- Aorta
- andere hirnversorgende Arterien
Der Karotisbefund sollte deshalb Anlass sein, das individuelle kardiovaskuläre Risikoprofil zu überprüfen – nicht automatisch Anlass für einen Eingriff an der Halsschlagader.
Die ESC 2024 betrachtet Karotiserkrankungen ausdrücklich im Kontext von Polyvaskulärerkrankungen und der gemeinsamen Risikofaktorenkontrolle.

Was passiert nach dem Nachweis einer Karotisstenose?
Der nächste Schritt hängt von der Ausprägung und vom klinischen Kontext ab.
Bei einem auffälligen Befund können beispielsweise folgende Fragen relevant werden:
- Wie hochgradig ist die Stenose?
- Ist sie symptomatisch oder asymptomatisch?
- Ist der Ultraschallbefund eindeutig?
- Gibt es weitere Gefäßerkrankungen?
- Wie sieht das individuelle kardiovaskuläre Risiko aus?
- Welche Präventionsmaßnahmen sind bereits etabliert?
- Ist eine weiterführende Bildgebung notwendig?
Bei relevanten oder widersprüchlichen Befunden können je nach Situation CT-Angiographie (CTA) oder MR-Angiographie (MRA) ergänzende Informationen liefern. Die ESC und ESVS sehen die Duplexsonographie als wichtige beziehungsweise erstlinige Bildgebung; weitere Verfahren können insbesondere bei unklaren Befunden oder zur Planung einer Revaskularisation erforderlich sein.
Wann kann eine CTA oder MRA sinnvoll werden?
Die Duplexsonographie hat große Vorteile: Sie ist nicht-invasiv, verursacht keine Strahlenbelastung und benötigt für die Standarduntersuchung kein Kontrastmittel.
Ihre Aussagekraft kann jedoch beispielsweise durch starke Verkalkungen, schwierige anatomische Verhältnisse oder andere technische Faktoren eingeschränkt sein.
In solchen Situationen können CTA oder MRA eine zusätzliche anatomische Beurteilung ermöglichen.
| Verfahren | Wesentliche Stärke |
|---|---|
| Duplexsonographie | Nicht-invasiv, keine Strahlung, Blutflussmessung |
| CTA | Detaillierte anatomische Darstellung, schnelle Untersuchung |
| MRA | Gefäßdarstellung ohne ionisierende Strahlung |
| Invasive Angiographie | Spezielle Situationen, insbesondere bei widersprüchlichen nicht-invasiven Befunden |
Eine invasive digitale Subtraktionsangiographie wird heute nicht routinemäßig allein zur Diagnosestellung eingesetzt, wenn hochwertige nicht-invasive Untersuchungen vorliegen. Die ESVS empfiehlt sie insbesondere nicht, solange keine relevanten Diskrepanzen zwischen nicht-invasiven Verfahren bestehen.

Welche Rolle spielt die Duplexsonographie bei der Verlaufskontrolle?
Die Untersuchung kann nicht nur zur Erstdiagnose eingesetzt werden.
Bei bereits bekannter Karotiserkrankung oder nach einer Behandlung kann eine Duplexsonographie auch zur Verlaufskontrolle dienen.
Nach einer Karotisoperation oder einem Stenting kann sie beispielsweise zur Überwachung auf eine mögliche Restenose eingesetzt werden. Die ESC 2024 beschreibt die Duplexsonographie als wichtige Methode für die Nachsorge nach Karotisinterventionen.
Dabei sollte das Intervall der Kontrollen nicht pauschal für jeden Patienten festgelegt werden, sondern vom Ausgangsbefund, der Gegenseite, dem individuellen Risikoprofil und der klinischen Situation abhängen.
Was sagt eine Karotis-Duplexsonographie wirklich aus?
Die Untersuchung beantwortet mehrere unterschiedliche Fragen gleichzeitig:
| Frage | Was die Untersuchung beitragen kann |
|---|---|
| Gibt es eine Plaque? | Morphologische Darstellung der Gefäßwand |
| Wie stark ist die Einengung? | Kombination aus Morphologie und Dopplerparametern |
| Ist der Blutfluss verändert? | Farbdoppler und Spektraldoppler |
| Wie schnell fließt das Blut? | Messung der Dopplergeschwindigkeit |
| Gibt es Hinweise auf eine relevante Stenose? | Zusammenschau mehrerer Kriterien |
| Gibt es eine Progression? | Vergleich mit früheren Untersuchungen |
| Ist eine weitere Bildgebung erforderlich? | Entscheidung abhängig von Befund und klinischer Fragestellung |
Damit ist die Karotis-Duplexsonographie wesentlich mehr als eine einfache Suche nach „Ablagerungen“.

Häufige Fragen zur Duplexsonographie der Halsschlagadern
Was ist eine Duplexsonographie der Halsschlagadern?
Die Duplexsonographie kombiniert Ultraschallbilder der Gefäßwand mit Dopplerverfahren zur Beurteilung des Blutflusses. Dadurch können sowohl Plaques als auch die hämodynamische Bedeutung einer möglichen Stenose untersucht werden.
Was bedeutet eine Plaque in der Halsschlagader?
Eine Plaque ist eine arteriosklerotische Veränderung der Gefäßwand. Sie bedeutet nicht automatisch, dass eine relevante Gefäßverengung oder eine unmittelbar bevorstehende Schlaganfallgefahr besteht.
Ab welcher Geschwindigkeit spricht man von einer Karotisstenose?
Nach den klassischen SRU-Kriterien liegt bei sichtbarer Plaque eine ICA-PSV von etwa 125–230 cm/s im Bereich einer 50–69%igen Stenose; Werte über 230 cm/s können zusammen mit einer sichtbaren Plaque und Lumeneinengung für eine Stenose von mindestens 70% sprechen. Die Messwerte müssen jedoch immer zusammen mit den morphologischen Befunden beurteilt werden.
Ist eine Karotisstenose gefährlich?
Das hängt unter anderem vom Stenosegrad, davon ab, ob neurologische Symptome aufgetreten sind, sowie vom individuellen Gefäßrisiko ab. Eine asymptomatische Plaque ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer unmittelbar behandlungsbedürftigen Erkrankung.
Muss eine Plaque operiert werden?
Nein. Der Nachweis einer Plaque allein ist keine automatische Indikation für eine Operation. Entscheidend sind unter anderem Stenosegrad, Symptomatik, Risikoprofil und die Gesamtbeurteilung durch das behandelnde Team. Die aktuelle ESC-Leitlinie sieht bei asymptomatischer Karotisstenose keine routinemäßige Revaskularisation vor.
Sollte jeder Mensch seine Halsschlagadern untersuchen lassen?
Nein. Ein allgemeines Screening asymptomatischer Erwachsener wird von der USPSTF nicht empfohlen. Auch die ESC 2024 rät von einem flächendeckenden Screening ab. Die Untersuchung sollte gezielt und indikationsbezogen eingesetzt werden.
Kann eine Duplexsonographie einen Schlaganfall vorhersagen?
Die Untersuchung kann eine Karotisstenose und arteriosklerotische Veränderungen erkennen, aber sie kann nicht individuell garantieren, ob oder wann ein Schlaganfall auftreten wird. Der Befund muss zusammen mit Symptomen, Stenosegrad und weiteren Risikofaktoren bewertet werden.

Fazit: Die Karotis ist mehr als ein einzelnes Gefäß
Die Duplexsonographie der Halsschlagadern kombiniert anatomische Bildgebung mit einer funktionellen Untersuchung des Blutflusses.
Sie kann Plaques sichtbar machen, Blutflussgeschwindigkeiten messen und Hinweise auf relevante Karotisstenosen liefern. Entscheidend ist jedoch die richtige Interpretation des Befundes.
Eine Plaque bedeutet nicht automatisch eine hochgradige Stenose. Eine Stenose bedeutet nicht automatisch, dass eine Operation erforderlich ist. Und eine unauffällige Karotisuntersuchung ersetzt nicht die Beurteilung des gesamten kardiovaskulären Risikos.
Der eigentliche Wert der Untersuchung entsteht deshalb erst durch die Verbindung von Gefäßmorphologie, Dopplerbefund, klinischer Symptomatik und individuellem Gefäßrisiko.
Moderne Gefäßmedizin bedeutet nicht, möglichst viele Gefäße zu untersuchen. Sie bedeutet, die richtige Untersuchung bei der richtigen Fragestellung einzusetzen und einen auffälligen Befund in den gesamten Gesundheitszustand des Patienten einzuordnen.

Quellen und wissenschaftliche Grundlagen
Die folgenden wissenschaftlichen Leitlinien und Konsensus-Empfehlungen
bilden die Grundlage für die diagnostischen Aussagen zur
Duplexsonographie der Halsschlagadern, zur Karotisstenose und zum
Screening asymptomatischer Patienten.
2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases
– European Society of Cardiology (ESC)
Carotid Artery Stenosis: Gray-Scale and Doppler US Diagnosis
– Society of Radiologists in Ultrasound (SRU) Consensus Conference
Carotid artery stenosis: gray-scale and Doppler US diagnosis
– PubMed / Radiology
Evidence Summary: Asymptomatic Carotid Artery Stenosis – Screening
– U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF)
2024 ESC Guidelines – Peripheral Arterial and Aortic Diseases
– Official ESC Guideline Page



No comment