Neue AHA-Empfehlungen: Was sich bei der Behandlung der infektiösen Endokarditis ändert

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Veröffentlicht: 8. September 2026 |
Quelle: American Heart Association (AHA) |
Fachzeitschrift: Circulation

Die American Heart Association (AHA) hat eine neue wissenschaftliche
Stellungnahme zur Diagnose, Antibiotikatherapie und Behandlung der
infektiösen Endokarditis veröffentlicht. Die aktuelle Stellungnahme
berücksichtigt die deutlichen Veränderungen in der Epidemiologie,
Diagnostik und Therapie der Erkrankung seit der letzten AHA-Erklärung
aus dem Jahr 2015.

Nach Angaben der AHA ist die Zahl der Fälle von infektiöser Endokarditis
weiterhin gestiegen. Gleichzeitig hat sich das Patientenspektrum verändert.
Eine wichtige Rolle spielen unter anderem eine alternde Bevölkerung mit
komplexen Begleiterkrankungen, Infektionen im Zusammenhang mit intravenösem
Drogenkonsum sowie die zunehmende Verwendung von implantierbaren
kardiovaskulären Geräten und prothetischem Material.

Auch bei der Diagnostik haben sich in den vergangenen Jahren wichtige
Fortschritte ergeben. Moderne molekularbiologische Verfahren zur
Erregerdiagnostik sowie multimodale bildgebende Verfahren ermöglichen
eine präzisere Beurteilung von Patientinnen und Patienten mit Verdacht
auf eine Endokarditis.

Die AHA weist insbesondere auf die zunehmende Bedeutung moderner
Bildgebung hin. Neben der Echokardiografie können bei bestimmten
Patientinnen und Patienten weitere bildgebende Verfahren erforderlich
sein. Bei Endokarditis im Zusammenhang mit einem transkatheteralen
Aortenklappenersatz (TAVR) kann beispielsweise eine multimodale
Bildgebung einschließlich einer
18F-FDG-PET/CT-Untersuchung notwendig sein, da die
Sensitivität von transthorakaler und transösophagealer Echokardiografie
in diesen Fällen eingeschränkt sein kann.

Eine weitere wichtige Entwicklung betrifft die Organisation der
Behandlung. Die neue Stellungnahme empfiehlt einen multidisziplinären
Endokarditis-Teams-Ansatz. Kardiologie, Herzchirurgie, Infektiologie
und weitere Fachbereiche sollen bei komplexen Fällen gemeinsam an der
Diagnose und Therapie beteiligt sein.

Auch der Zeitpunkt interventioneller Behandlungen wird neu bewertet.
Nach Einschätzung der AHA haben sich die Behandlungskonzepte über eine
ausschließlich lang andauernde intravenöse Antibiotikatherapie und eine
möglichst späte Operation hinaus weiterentwickelt. Bei geeigneten
Patientinnen und Patienten können frühzeitige interventionelle Verfahren
eine wichtige Rolle spielen.

Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten kann nach der akuten
Behandlungsphase außerdem eine teilweise orale Antibiotikatherapie
infrage kommen. Auch langwirksame Antibiotika wie Dalbavancin oder
Oritavancin werden in der neuen Stellungnahme als mögliche Optionen
für sorgfältig ausgewählte Fälle berücksichtigt.

Die AHA betont zugleich, dass die infektiöse Endokarditis trotz
diagnostischer und therapeutischer Fortschritte weiterhin mit einer
erheblichen Krankheitsbelastung verbunden ist. Die Ein-Jahres-Mortalität
liegt nach Angaben der wissenschaftlichen Stellungnahme bei nahezu
40 Prozent.

Die neue wissenschaftliche Stellungnahme soll Ärztinnen und Ärzten
dabei helfen, die Diagnose früher und genauer zu stellen und die
Behandlung stärker an den individuellen klinischen Merkmalen der
Patientinnen und Patienten auszurichten.