Belastungs-EKG & Stress-Echokardiographie: Ablauf und Aussagekraft

5
Belastungs ekg stress echokardiographie

Viele Herzprobleme zeigen sich nicht unbedingt im Ruhezustand. Ein Ruhe-EKG und eine Echokardiographie können unauffällig sein, obwohl Beschwerden wie Brustdruck, Atemnot oder Leistungsminderung erst bei körperlicher Belastung auftreten. Genau hier kommt die Belastungsdiagnostik ins Spiel: Das Belastungs-EKG und die Stress-Echokardiographie untersuchen, wie das Herz reagiert, wenn seine Leistungsanforderungen steigen.

Kurzantwort Was die Untersuchung zeigt
Belastungs-EKG EKG-Veränderungen, Herzfrequenz, Blutdruck, Rhythmusstörungen, Beschwerden und körperliche Leistungsfähigkeit unter Belastung
Stress-Echokardiographie Zusätzlich die Bewegung und Funktion des Herzmuskels unter Belastung
Typische Belastung Meist Fahrradergometer; je nach Fragestellung sind auch andere Belastungsformen oder Medikamente möglich
Wichtige Fragestellungen Belastungsabhängige Beschwerden, Arrhythmien, Blutdruckreaktion, Ischämie und ausgewählte Herzklappenerkrankungen
Wichtig Kein einzelner Test ist für jede Patientin und jeden Patienten gleichermaßen geeignet

Slide1 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Warum wird das Herz unter Belastung untersucht?

Ein Ruhe-EKG beantwortet vor allem die Frage, wie sich die elektrische Aktivität des Herzens in einem bestimmten Ruhezustand darstellt. Auch eine Echokardiographie in Ruhe liefert wichtige Informationen über Herzgröße, Herzklappen, Pumpfunktion und die Bewegung des Herzmuskels.

Doch manche Beschwerden treten erst dann auf, wenn das Herz mehr leisten muss.

Beim Treppensteigen, schnellen Gehen oder Sport steigt der Sauerstoffbedarf der Muskulatur. Das Herz muss deshalb seine Leistung steigern. Herzfrequenz und Herzzeitvolumen nehmen zu, während gleichzeitig auch der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels steigt.

Unter normalen Bedingungen kann sich die Durchblutung des Herzmuskels entsprechend anpassen. Bei bestimmten Erkrankungen kann diese Anpassungsfähigkeit jedoch eingeschränkt sein.

Genau diesen Unterschied zwischen Ruhe und Belastung nutzt die funktionelle Herzdiagnostik.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie sieht das Herz in Ruhe aus? Sondern auch: Wie reagiert das Herz, wenn es mehr leisten muss?

Die aktuellen ESC-Leitlinien zu chronischen Koronarsyndromen verfolgen deshalb einen differenzierten diagnostischen Ansatz. Die Auswahl der weiteren Untersuchung richtet sich unter anderem nach der klinischen Wahrscheinlichkeit einer obstruktiven koronaren Herzkrankheit, den Beschwerden und individuellen Risikofaktoren.

Slide2 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Belastungs-EKG: Was wird während der Belastung gemessen?

Beim klassischen Belastungs-EKG wird die körperliche Belastung schrittweise gesteigert. Häufig erfolgt dies auf einem Fahrradergometer.

Während der Untersuchung werden mehrere Parameter gleichzeitig beobachtet.

Welche Werte werden beim Belastungs-EKG erfasst?

Parameter Warum ist er wichtig?
EKG Erfassung der elektrischen Herzaktivität und möglicher belastungsabhängiger Veränderungen
Herzfrequenz Beurteilung der Reaktion des Herzens auf zunehmende Belastung
Blutdruck Beurteilung der Blutdruckreaktion während der Belastung
Herzrhythmus Erkennung belastungsabhängiger Herzrhythmusstörungen
Leistungsfähigkeit Einschätzung der erreichten körperlichen Belastbarkeit
Beschwerden Einordnung von Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder anderen Symptomen

Ein wichtiger Bestandteil ist dabei nicht nur die technische Messung.

Auch das subjektive Erleben des Patienten ist relevant.

Tritt beispielsweise genau während einer bestimmten Belastungsstufe der bekannte Brustdruck auf, kann diese Information für die weitere diagnostische Einordnung wichtig sein.

Slide3 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Was kann ein Belastungs-EKG zeigen?

Das Belastungs-EKG kann verschiedene Informationen liefern. Dazu gehören insbesondere die Reaktion der Herzfrequenz und des Blutdrucks, belastungsabhängige Rhythmusstörungen, die körperliche Leistungsfähigkeit und mögliche EKG-Veränderungen.

Damit ist das Belastungs-EKG keineswegs nur ein einfacher „Herztest“.

Es liefert ein funktionelles Bild davon, wie das Herz-Kreislauf-System auf zunehmende körperliche Anforderungen reagiert.

Was kann ein Belastungs-EKG nicht sicher beantworten?

Ein Belastungs-EKG zeigt jedoch nicht direkt, wie die Herzkranzgefäße anatomisch aussehen.

Deshalb sollte ein auffälliges oder unauffälliges Belastungs-EKG nicht isoliert betrachtet werden. Die diagnostische Aussage hängt von der Ausgangswahrscheinlichkeit, den Beschwerden, Risikofaktoren und der konkreten klinischen Fragestellung ab.

Die ESC hat den diagnostischen Stellenwert des klassischen Exercise-ECG gegenüber bildgebenden Verfahren in den vergangenen Leitlinien deutlich differenzierter eingeordnet. In der aktuellen Strategie spielen insbesondere Koronar-CT und funktionelle Bildgebung eine wichtige Rolle.

Slide4 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Stress-Echokardiographie: Was ist das genau?

Die Stress-Echokardiographie verbindet eine Belastungssituation mit der Ultraschalluntersuchung des Herzens.

Während bei einem normalen Herzultraschall vor allem die Anatomie und Funktion des Herzens in Ruhe beurteilt werden, wird bei der Stress-Echokardiographie untersucht, wie sich die Herzfunktion unter steigender Belastung verändert.

Das macht die Untersuchung besonders interessant, wenn Beschwerden überwiegend bei körperlicher Aktivität auftreten.

Was wird bei der Stress-Echokardiographie beobachtet?

Im Mittelpunkt steht die Bewegung des Herzmuskels.

Ein Herzmuskelabschnitt kann in Ruhe normal arbeiten und unter Belastung plötzlich eine eingeschränkte Bewegung zeigen. Eine solche neu auftretende regionale Wandbewegungsstörung kann ein Hinweis auf eine belastungsinduzierte Myokardischämie sein.

Dabei geht es nicht lediglich darum, ob das Herz schneller schlägt.

Es geht darum, wie der Herzmuskel auf den erhöhten Sauerstoff- und Leistungsbedarf reagiert.

 

Slide5 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Wie läuft eine Stress-Echokardiographie ab?

Am Anfang steht eine Echokardiographie in Ruhe.

Dabei werden standardisierte Ultraschallbilder des Herzens aufgenommen. Anschließend wird die Belastung entsprechend dem gewählten Untersuchungsverfahren gesteigert.

Bei einer Belastungs-Stressechokardiographie kann dies beispielsweise auf einem Fahrradergometer erfolgen.

Während der Belastung werden unter anderem EKG, Herzfrequenz, Blutdruck und Beschwerden überwacht. Gleichzeitig werden zu definierten Zeitpunkten beziehungsweise unmittelbar unter maximaler Belastung erneut Echokardiographie-Aufnahmen erstellt.

Untersuchungsphase Was wird beurteilt?
Ruhe Herzstruktur, Pumpfunktion und regionale Wandbewegung
Beginnende Belastung Reaktion von Herzfrequenz und Kreislauf
Steigende Belastung Belastbarkeit, Symptome und Herzfunktion
Maximale Belastung mögliche belastungsabhängige Veränderungen
Erholung Rückkehr der Parameter in Richtung Ausgangswert

Anschließend werden die Aufnahmen aus Ruhe und Belastung miteinander verglichen.

Gerade dieser direkte Vergleich ist ein zentraler Bestandteil der Untersuchung.

Slide6 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Das Prinzip der Ischämie bei der Stress-Echokardiographie

Der Herzmuskel benötigt während körperlicher Belastung mehr Sauerstoff.

Wenn die Durchblutung eines Herzmuskelbereichs nicht ausreichend gesteigert werden kann, kann unter Belastung eine Funktionsstörung auftreten.

Ein Segment, das in Ruhe normal kontrahiert, kann unter Belastung beispielsweise hypokinetisch oder akinetisch werden.

Eine solche neu auftretende regionale Wandbewegungsstörung kann auf eine belastungsabhängige Ischämie hinweisen.

Wichtig ist jedoch: Ein solcher Befund muss immer im klinischen Zusammenhang interpretiert werden. Die Stress-Echokardiographie ist ein diagnostisches Verfahren und keine isolierte Diagnose.

Belastungs-EKG und Stress-Echokardiographie: Wo liegt der Unterschied?

Beide Untersuchungen haben mit körperlicher Belastung zu tun, beantworten aber teilweise unterschiedliche Fragen.

Merkmal Belastungs-EKG Stress-Echokardiographie
EKG Ja Ja
Herzfrequenz Ja Ja
Blutdruck Ja Ja
Rhythmusstörungen Ja Ja
Leistungsfähigkeit Ja Ja
Ultraschallbilder des Herzens Nein Ja
Regionale Wandbewegung Nicht direkt Ja
Beurteilung unter Belastung Elektrisch und klinisch Elektrisch, klinisch und bildgebend
Ionisierende Strahlung Nein Nein

Damit ist die Stress-Echokardiographie nicht einfach ein „besseres Belastungs-EKG“.

Sie liefert zusätzliche bildgebende Informationen und wird abhängig von der klinischen Situation gezielt eingesetzt.

Slide7 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Wie aussagekräftig ist die Stress-Echokardiographie?

Die diagnostische Genauigkeit wurde in zahlreichen Studien untersucht.

Eine ältere umfangreiche Evidenzanalyse schloss 105 Beobachtungsstudien mit insgesamt 13.102 Patienten ein. Für die Stress-Echokardiographie wurde gegenüber der invasiven Koronarangiographie als Referenz eine gepoolte Sensitivität von etwa 80 % und eine Spezifität von etwa 84 % berichtet.

Neuere Daten ermöglichen eine zusätzliche Einordnung.

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wertete 104 Studien mit insgesamt 16.824 symptomatischen Patienten aus. Für die Stress-Echokardiographie wurden dabei eine gepoolte Sensitivität von 81 % und eine Spezifität von 85 % zur Erkennung einer obstruktiven koronaren Herzkrankheit berichtet.

Diese Werte dürfen allerdings nicht als individuelle „Trefferquote“ verstanden werden.

Slide8 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Warum unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen Studien?

Die diagnostische Genauigkeit kann unter anderem davon abhängen,

  • welche Patientengruppe untersucht wurde,
  • wie häufig die Erkrankung in dieser Gruppe vorkam,
  • welche Belastungsmethode eingesetzt wurde,
  • wie gut die Ultraschallbilder waren,
  • wie erfahren der Untersucher war,
  • welche Referenzmethode verwendet wurde und
  • welche Definition für eine relevante koronare Erkrankung zugrunde lag.

Auch die aktuelle Metaanalyse von 2025 weist auf eine erhebliche Heterogenität zwischen den Studien hin.

Deshalb sollte man nicht sagen:

„Eine Stress-Echokardiographie erkennt eine koronare Herzkrankheit mit 85-prozentiger Sicherheit.“

Das wäre eine unzulässige Vereinfachung.

Richtiger ist:

In ausgewerteten Studien zeigte die Stress-Echokardiographie eine gepoolte Sensitivität und Spezifität in dieser Größenordnung. Die Aussagekraft im Einzelfall hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.

 

Slide9 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Belastungs-EKG oder Stress-Echokardiographie?

Die Frage lautet nicht grundsätzlich, welcher Test „besser“ ist.

Entscheidend ist vielmehr, welche diagnostische Information benötigt wird.

Die aktuellen ESC-Empfehlungen verfolgen einen stufenweisen Ansatz. Zunächst werden Beschwerden, klinische Wahrscheinlichkeit und Risikofaktoren berücksichtigt. Danach wird entschieden, ob weitere Untersuchungen erforderlich sind und welches Verfahren zur konkreten Fragestellung passt.

Wann kann ein Belastungs-EKG sinnvoll sein?

Ein Belastungs-EKG kann beispielsweise Informationen liefern über:

  • körperliche Belastbarkeit,
  • Herzfrequenzverhalten,
  • Blutdruckreaktion,
  • belastungsabhängige Arrhythmien,
  • reproduzierbare Beschwerden und
  • bestimmte belastungsabhängige EKG-Veränderungen.

Es kann deshalb je nach klinischer Situation weiterhin wertvolle Informationen liefern.

Slide10 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Wann kann eine Stress-Echokardiographie interessant sein?

Eine Stress-Echokardiographie kann insbesondere dann relevant sein, wenn zusätzlich zur Belastungsreaktion des EKG eine bildgebende Beurteilung der Herzfunktion benötigt wird.

Dazu gehören unter anderem ausgewählte Fragestellungen bei Verdacht auf eine belastungsabhängige Myokardischämie.

Auch bei bestimmten Herzklappenerkrankungen oder bei Beschwerden, deren Ursache sich erst unter Belastung zeigt, kann eine Belastungsechokardiographie zusätzliche Informationen liefern.

Welche Rolle spielt die koronare CT-Angiographie?

Die moderne Diagnostik der koronaren Herzkrankheit besteht nicht nur aus Belastungstests.

Die ESC-Leitlinien von 2024 berücksichtigen die klinische Wahrscheinlichkeit und empfehlen bei entsprechender Ausgangswahrscheinlichkeit verschiedene diagnostische Strategien. Dazu gehören unter anderem die Koronar-CT-Angiographie und funktionelle Bildgebung.

Die Verfahren beantworten dabei unterschiedliche Fragen.

Untersuchung Schwerpunkt
Ruhe-EKG Elektrische Herzaktivität in Ruhe
Belastungs-EKG Elektrische und kreislaufbezogene Reaktion auf Belastung
Echokardiographie in Ruhe Herzstruktur und Funktion in Ruhe
Stress-Echokardiographie Funktionelle Reaktion des Herzens unter Belastung
Koronar-CT-Angiographie Anatomische Darstellung der Koronararterien
Weitere funktionelle Bildgebung Beurteilung einer möglichen Myokardischämie mit bildgebenden Verfahren

Damit wird deutlich: Die Untersuchungen sind nicht einfach austauschbar.

Slide11 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Was passiert, wenn Beschwerden erst beim Sport auftreten?

Gerade bei belastungsabhängigen Beschwerden ist die zeitliche Beziehung zwischen Belastung und Symptomen wichtig.

Ein Patient kann beispielsweise im Sitzen vollständig beschwerdefrei sein und beim schnellen Gehen plötzlich Brustdruck entwickeln.

Eine andere Person bemerkt vielleicht ausschließlich beim Treppensteigen Atemnot.

In solchen Situationen kann eine Untersuchung unter Belastung zusätzliche Informationen liefern, die eine reine Ruheuntersuchung nicht erfassen kann.

Dabei sollte jedoch nicht automatisch von einer koronaren Herzkrankheit ausgegangen werden.

Atemnot oder Brustbeschwerden unter Belastung können verschiedene Ursachen haben. Die ärztliche Beurteilung berücksichtigt deshalb auch andere Erkrankungen und mögliche nicht-kardiale Ursachen.

Stress-Echokardiographie bei Herzklappenerkrankungen

Die Belastungsechokardiographie kann auch bei ausgewählten Herzklappenerkrankungen eine Rolle spielen.

Der Grund ist einfach:

Manche Beschwerden lassen sich in Ruhe nur unzureichend erklären.

Unter Belastung können sich hämodynamische Veränderungen verstärken. Dadurch kann eine Untersuchung unter Belastung zusätzliche Informationen über die funktionelle Bedeutung einer Klappenerkrankung liefern.

Ob eine solche Untersuchung sinnvoll ist, hängt jedoch von der konkreten Klappenerkrankung und der klinischen Situation ab.

Slide12 new 3 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Was bedeutet „Herzreserve“?

Ein wichtiger Begriff bei der Belastungsdiagnostik ist die funktionelle Reserve.

Ein gesundes Herz muss seine Leistung an unterschiedliche Situationen anpassen können.

Im Schlaf benötigt der Körper weniger Leistung als beim schnellen Treppensteigen.

Eine Untersuchung in Ruhe zeigt deshalb nur einen Teil der kardiovaskulären Leistungsfähigkeit.

Die Belastungsdiagnostik stellt eine zusätzliche Frage:

Wie gut kann sich das Herz-Kreislauf-System an einen erhöhten Bedarf anpassen?

Genau deshalb können Belastungsuntersuchungen bei bestimmten Patienten besonders informativ sein.

Gibt es Risiken bei einer Belastungsuntersuchung?

Ein Belastungstest wird unter medizinischer Überwachung durchgeführt.

Während der Untersuchung werden relevante Parameter kontrolliert und die Belastung kann bei Beschwerden oder auffälligen Veränderungen beendet werden.

Welche Belastungsform geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab.

Vor einer Untersuchung wird deshalb geprüft, ob eine Belastung medizinisch vertretbar ist und welches Verfahren zur Fragestellung passt.

Bei akuten oder neu auftretenden starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Bewusstlosigkeit oder anderen schweren akuten Symptomen ist eine geplante Belastungsuntersuchung nicht der richtige nächste Schritt. In solchen Situationen ist eine unmittelbare medizinische Abklärung erforderlich.

Slide13 new 2 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Was sollte man vor einem Belastungs-EKG wissen?

Die konkreten Vorbereitungen hängen vom Untersuchungszentrum und von der Fragestellung ab.

Typischerweise sollte der Patient geeignete Kleidung und Schuhe für die körperliche Belastung tragen. Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt werden. Ob bestimmte Medikamente vor der Untersuchung angepasst werden müssen, entscheidet der behandelnde Arzt.

Auch bestehende Beschwerden, bekannte Herzerkrankungen und die aktuelle Medikation sollten vor der Untersuchung bekannt sein.

Ein wichtiger Punkt zu Medikamenten

Insbesondere Medikamente, die die Herzfrequenz beeinflussen, können die Reaktion auf Belastung verändern.

Deshalb sollte niemals eigenständig entschieden werden, ein Medikament vor dem Belastungs-EKG oder der Stress-Echokardiographie wegzulassen.

Die Anweisung erfolgt individuell durch das behandelnde medizinische Team.

Was bedeutet ein unauffälliger Belastungstest?

Ein unauffälliger Belastungstest ist eine wichtige Information, bedeutet aber nicht automatisch, dass jede mögliche Herzkrankheit ausgeschlossen ist.

Kein diagnostischer Test untersucht sämtliche Erkrankungen gleichzeitig.

Ein Belastungs-EKG konzentriert sich beispielsweise auf andere Informationen als eine Koronar-CT-Angiographie. Eine Stress-Echokardiographie wiederum liefert bildgebende Informationen über die Herzfunktion unter Belastung.

Die Bedeutung des Ergebnisses ergibt sich daher immer aus der Kombination von Beschwerden, klinischer Wahrscheinlichkeit, Untersuchungsergebnis und gegebenenfalls weiteren diagnostischen Verfahren.

Slide14 new 1 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Was bedeutet ein auffälliger Belastungstest?

Auch ein auffälliger Belastungstest ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer bestimmten Diagnose.

Ein auffälliges Ergebnis kann Anlass für weitere Untersuchungen sein.

Welche Untersuchung anschließend sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Befund, den Beschwerden und der individuellen klinischen Wahrscheinlichkeit ab.

Die moderne Diagnostik versucht deshalb nicht, aus einem einzelnen Testergebnis eine Diagnose zu erzwingen.

Sie setzt verschiedene Informationen zusammen.

Warum die Kombination verschiedener Informationen entscheidend ist

Die Stärke moderner kardiologischer Diagnostik liegt nicht darin, möglichst viele Tests durchzuführen.

Vielmehr geht es darum, den richtigen Test zur richtigen Fragestellung einzusetzen.

Klinische Frage Mögliche diagnostische Information
Gibt es elektrische Auffälligkeiten in Ruhe? Ruhe-EKG
Wie reagiert der Kreislauf auf Belastung? Belastungs-EKG
Wie bewegt sich der Herzmuskel unter Belastung? Stress-Echokardiographie
Wie sehen die Koronararterien anatomisch aus? Koronar-CT-Angiographie
Gibt es Hinweise auf belastungsabhängige Ischämie? Funktionelle Bildgebung, z. B. Stress-Echokardiographie

Die Entscheidung sollte dabei individuell und ärztlich erfolgen.

Slide15 new 1 Kardiologie Check – Herzgesundheit & Vorsorge

Häufige Fragen zur Stress-Echokardiographie

Was ist der Unterschied zwischen Belastungs-EKG und Stress-Echokardiographie?

Beim Belastungs-EKG werden vor allem EKG, Herzfrequenz, Blutdruck, Rhythmus, Leistungsfähigkeit und Beschwerden unter Belastung beurteilt. Die Stress-Echokardiographie ergänzt diese Informationen durch Ultraschallbilder des Herzens und ermöglicht insbesondere die Beurteilung der regionalen Wandbewegung unter Belastung.

Ist eine Stress-Echokardiographie schmerzhaft?

Die Ultraschalluntersuchung selbst ist normalerweise nicht schmerzhaft. Die körperliche Belastung kann jedoch anstrengend sein. Während der Untersuchung werden die Beschwerden und medizinisch relevanten Parameter überwacht.

Wie lange dauert ein Belastungs-EKG?

Die tatsächliche Belastungsphase ist meist nur ein Teil des gesamten Untersuchungstermins. Hinzu kommen Vorbereitung, Ruhephase, Belastungssteigerung und Erholungsphase. Die genaue Dauer hängt vom Untersuchungsprotokoll und vom individuellen Verlauf ab.

Kann man eine Stress-Echokardiographie auch ohne Fahrradergometer durchführen?

Ja. Je nach Fragestellung und körperlicher Belastbarkeit können unterschiedliche Stressmethoden eingesetzt werden. Neben körperlicher Belastung kommen in bestimmten Situationen auch pharmakologische Verfahren infrage.

Erkennt eine Stress-Echokardiographie eine koronare Herzkrankheit?

Sie kann Hinweise auf eine belastungsabhängige Myokardischämie liefern und ist ein etabliertes funktionelles bildgebendes Verfahren. Die Aussagekraft hängt jedoch von der klinischen Situation und der Qualität der Untersuchung ab. Die ESC berücksichtigt Stress-Echokardiographie als eine Form der funktionellen Bildgebung bei geeigneten Patienten.

Ist ein normales Belastungs-EKG ausreichend, um eine koronare Herzkrankheit auszuschließen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Aussagekraft eines Belastungs-EKGs hängt unter anderem von der klinischen Wahrscheinlichkeit und der konkreten Situation ab. Nach den aktuellen ESC-Empfehlungen stehen je nach Ausgangssituation auch anatomische und funktionelle bildgebende Verfahren zur Verfügung.

Was zeigt die Stress-Echokardiographie besser als ein Belastungs-EKG?

Die Stress-Echokardiographie ermöglicht zusätzlich zur Belastungsreaktion des EKG eine direkte bildgebende Beurteilung der Herzbewegung. Dadurch können insbesondere neu auftretende regionale Wandbewegungsstörungen unter Belastung erkannt werden.

Kann die Stress-Echokardiographie auch bei Atemnot eingesetzt werden?

Bei ausgewählten Patienten kann eine Belastungsuntersuchung helfen, Beschwerden zu objektivieren und die Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems unter Belastung zu untersuchen. Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt jedoch von der Ursache und der klinischen Fragestellung ab.

Fazit: Was unterscheidet Ruhe- und Belastungsdiagnostik?

Eine Untersuchung in Ruhe beantwortet vor allem die Frage:

Wie arbeitet das Herz jetzt?

Eine Belastungsuntersuchung stellt dagegen eine andere Frage:

Wie reagiert das Herz, wenn es mehr leisten muss?

Das Belastungs-EKG liefert dabei wichtige Informationen über elektrische Aktivität, Herzfrequenz, Blutdruck, Rhythmus, Leistungsfähigkeit und Beschwerden.

Die Stress-Echokardiographie geht einen Schritt weiter und verbindet die Belastung mit der bildgebenden Beurteilung der Herzfunktion.

Gerade wenn Beschwerden erst beim Gehen, Treppensteigen oder Sport auftreten, kann dieser Unterschied diagnostisch relevant sein.

Die moderne kardiologische Diagnostik entscheidet jedoch nicht allein anhand eines einzelnen Tests. Die aktuellen ESC-Leitlinien empfehlen vielmehr eine schrittweise, risikobasierte Auswahl der diagnostischen Verfahren.

Quellen und wissenschaftliche Grundlage

  1. European Society of Cardiology (ESC) – 2024 ESC Guidelines for the management of chronic coronary syndromes.
  2. ESC Pocket Guidelines – Chronic Coronary Syndromes, 2024.
  3. Diagnostic Accuracy of Exercise Stress Testing, Stress Echocardiography, Myocardial Scintigraphy, and Cardiac Magnetic Resonance for Obstructive Coronary Artery Disease, Journal of Clinical Medicine, 2025. 104 Studien, 16.824 symptomatische Patienten.
  4. Stress Echocardiography for the Diagnosis of Coronary Artery Disease: An Evidence-Based Analysis – systematische Evidenzanalyse mit 105 Studien und 13.102 Patienten.

 

Quellen und weiterführende Informationen