Eine neue Studie liefert aktuelle Erkenntnisse zur Frage, wie sich eine
menopausale Hormontherapie auf das langfristige Herz-Kreislauf-Risiko von
Frauen auswirken kann. Die im
JAMA Internal Medicine
veröffentlichte Untersuchung analysierte Daten aus der
Study of Women’s Health Across the Nation (SWAN) über einen Zeitraum
von rund 20 Jahren.
Die Forschenden untersuchten mehr als 2.700 Frauen, die unter
vasomotorischen Beschwerden wie Hitzewallungen oder Nachtschweiß litten
und zu Beginn keine bekannte kardiovaskuläre Erkrankung hatten. Im Fokus
stand insbesondere die Frage, ob der Zeitpunkt des Beginns einer
menopausalen Hormontherapie mit später auftretenden Herz-Kreislauf-
Ereignissen zusammenhing.
22 Prozent geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse
Frauen, die während der Perimenopause oder in der frühen
Postmenopause eine Hormontherapie begannen, hatten in dieser
Beobachtungsanalyse ein um etwa 22 Prozent niedrigeres Risiko für
kardiovaskuläre Ereignisse als Frauen, die keine entsprechende
Therapie begonnen hatten.
Zu den untersuchten Ereignissen gehörten unter anderem Herzinfarkte,
Schlaganfälle, Herzinsuffizienz sowie koronare Revaskularisationen.
Besonders auffällig war der Zusammenhang bei Frauen, die die Therapie
innerhalb von zehn Jahren nach Beginn der Menopause starteten. Für diese
Gruppe wurde ein etwa 27 Prozent niedrigeres Risiko
beobachtet.
Unterschiede abhängig vom Zeitpunkt der Behandlung
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass der Zeitpunkt des Beginns einer
Hormontherapie eine wichtige Rolle spielen könnte. Bei Frauen, die die
Behandlung mehr als zehn Jahre nach Beginn der Menopause aufnahmen,
zeigte sich dagegen kein eindeutiger Zusammenhang mit einem geringeren
kardiovaskulären Risiko.
Auch zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen wurden Unterschiede
festgestellt. Bei schwarzen Frauen war der Zusammenhang besonders stark:
In dieser Gruppe war der Beginn einer Hormontherapie während der
Perimenopause oder frühen Postmenopause mit einem geschätzten
49 Prozent niedrigeren Risiko für kardiovaskuläre
Ereignisse verbunden. Die Forschenden betonen jedoch, dass diese
Unterschiede weitere Untersuchungen erfordern.
Keine Empfehlung zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Trotz der auffälligen Ergebnisse warnen die Autoren ausdrücklich davor,
die Hormontherapie als Maßnahme zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen einzusetzen. Die Studie war keine randomisierte klinische
Studie, sondern eine Beobachtungsanalyse von Daten aus der SWAN-Kohorte.
Daher lässt sich aus den Ergebnissen kein direkter kausaler
Zusammenhang ableiten.
Zudem müssen bei einer individuellen Entscheidung über eine
Hormontherapie mögliche Vorteile und Risiken gemeinsam betrachtet
werden. Dazu gehören unter anderem die Art der verwendeten Hormone,
Dosierung, Behandlungsdauer, Alter, Zeitpunkt des Therapiebeginns und
individuelle kardiovaskuläre sowie onkologische Risikofaktoren.
Warum der Zeitpunkt entscheidend sein könnte
Die Forschenden vermuten, dass Veränderungen der Gefäßfunktion und der
Gefäßgesundheit während des Alterungsprozesses eine Rolle spielen
könnten. Die Wechseljahre stellen dabei eine wichtige Phase dar, in der
sich verschiedene kardiometabolische und vaskuläre Risikofaktoren
verändern können.
Die aktuelle Untersuchung liefert damit weitere Hinweise auf das
sogenannte Timing-Konzept der menopausalen Hormontherapie: Die
kardiovaskulären Auswirkungen könnten davon abhängen, wann die Therapie
im Verhältnis zum Beginn der Menopause gestartet wird.
Die Autoren betonen gleichzeitig, dass weitere Studien erforderlich
sind, insbesondere randomisierte klinische Untersuchungen, die gezielt
Frauen während der Perimenopause und frühen Postmenopause einschließen.
Die aktuellen Ergebnisse sollen daher vor allem die wissenschaftliche
Diskussion und die individuelle ärztliche Beratung unterstützen.
Originalquellen
Hinweis: Die Ergebnisse dieser Beobachtungsstudie zeigen
einen Zusammenhang und beweisen keine Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Eine menopausale Hormontherapie sollte nicht zur Vorbeugung von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen begonnen werden. Die individuelle
Nutzen-Risiko-Abwägung sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder
dem behandelnden Arzt erfolgen.


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